Forstwirtschaft, Jagd, Schädlinge

Wald vor Wildverbiss schützen

Worauf es beim Aufforsten ankommt, haben wir im letzten Blogpost geklärt. Ob Naturverjüngung oder Nachpflanzung: Junge Bäume mit zarten Knospen sind ein Leckerbissen für das Wild im Wald, so entstehen Verbissschäden. Rotwild, Damwild und Muffelwild knabbert auch gerne an junger, dünner Baumrinde und verursacht so Schälschäden. Außerdem reiben Böcke den Bast, also die Reste der Haut, die das neue Geweih oder Gehörn in seiner Entwicklung ernährt und geschützt hat, an mannshohen Bäumen ab und verursachen durch dieses „Abfegen“ sogenannte Fegeschäden. Die gute Nachricht: Es gibt Schutzmöglichkeiten!

Der Klassiker: Ein Wildschutzzaun als Flächenschutz

Flächenschutz meint das Umzäunen einer Waldfläche, um Wildschäden zu vermeiden. Drahtgeflecht hat sich hierzu durchgesetzt, als Pfosten kommen Holz- oder Metallpfosten zum Einsatz. Die Zäune im Wald müssen regelmäßig kontrolliert werden: Sobald ein Baum auf den Zaun fällt, finden die Rehe den neuen Zugang innerhalb kürzester Zeit und “verbeißen” die jungen Bäume auf der ehemals umzäunten Fläche. Mit einer Umzäunung lässt sich gut zeigen, was ohne Wildverbiss wachsen kann. Insbesondere bei naturverjüngenden Wäldern ist dieser Schutz interessant.

Bäume einzeln schützen

Um einzelne Bäume zu schützen, gibt es neben den sogenannten Drahthosen, die wie ein kleiner Zaun um einzelne Bäume aufgestellt werden, auch zahlreiche weitere Varianten von mechanischem Einzelbaumschutz. Darunter sind Schutzhülsen aus biologisch abbaubarem Kunststoff, spezielle Klebebänder und verschiedene Drahtvorrichtungen, die die kleinen Bäume schützen sollen. Daneben gibt es verschiedene chemische Mittel, die durch ihren Geschmack und Geruch die Tiere fernhalten. Es gibt auch einige Hausmittel, die Wildtiere abschrecken sollen, beispielsweise ein Büschel Wolle, das um die oberste Knospe junger Bäume gewickelt wird. Es muss aber regelmäßig kontrolliert werden, ob die Wolle abgefallen ist. Und wenn die Knospe im Frühjahr treibt, ist der junge Trieb ungeschützt.


Weitere Schutzmaßnahmen

Gegen Fegeschäden haben sich mechanische Verfahren bewährt. Am einfachsten ist der Schutz mit möglichst astigen Fichtenzweigen. Diese werden verkehrt herum in den Boden neben dem zu schützenden Baum gesteckt. Schälschäden können zum Beispiel durch die Anwendung eines Rindenkratzers eingedämmt werden.


Den Wildtieren alternative Nahrungsangebote bereit zu stellen ist eine weitere Methode, die häufig von Jägern angewendet wird. Denn Jäger müssen den Wildschaden oftmals ersetzen, wenn Eigentümer land- und forstwirtschaftlicher Flächen ihn anzeigen. Tatsächlich kann der Wildschaden durch alternative Nahrungsangebote teilweise reduziert werden. Konkrete Möglichkeiten dafür sind:

  • Wildäcker
  • Verbissgehölze
  • Notzeitenfütterung

Wildäcker sind schmale Streifen in Waldgebieten, auf denen Futterpflanzen für Wildtiere gepflanzt werden. Sie sollen den Tieren im Schutz des Waldes etwas zu fressen bieten. So müssen sie weniger auf Knospen und Rinde zurückgreifen. Neben Rehen, Hirschen und Wildschweinen, die Wildäcker aufsuchen, können auch andere Tiere wie Feldhasen und Rebhühner von Wildäckern profitieren.


Verbissgehölze sind kleinere Flächen, auf denen kleine Bäume und Sträucher gepflanzt werden, deren Knospen bei den Tieren besonders beliebt sind. Sie sollen dafür sorgen, dass die Tiere nicht die jungen Bäume verbeißen, die in umliegenden Waldflächen die neue Baumgeneration bilden sollen. Einen ähnlichen Effekt können einige Pionierbaumarten haben, wenn sie im Wald verteilt vorkommen. Pionierbaumarten sind Baumarten, die sich schnell vermehren und weit verbreiten können, die aber nicht besonders alt werden. Insbesondere die Vogelbeere schmeckt vielen Wildtieren gut, es kommen aber auch viele andere Bäume und Sträucher in Frage.


Die Notzeitenfütterung, die gelegentlich von Jägern praktiziert wird, soll den Wildtieren besonders im Winter helfen, wenn die natürliche Nahrung von Schnee und Eis bedeckt ist. Dabei wird durch den Menschen Futter an speziellen Futterstellen angeboten. Notzeitenfütterungen sind meist genehmigungspflichtig und müssen sich wirklich nur auf Notzeiten beschränken. Wenn das falsche Futter oder allgemein zu viel gefüttert wird, kann das die winterliche Ruhephase der Wildtiere stören und den Verbiss sogar noch steigern.


Alternative Nahrungsangebote können nur in einem begrenzten Maß Schäden vermeiden. Wenn es zu viele Rehe und Hirsche im Wald gibt, kommt man kurzfristig nicht um die zuvor erwähnten Schutzmaßnahmen herum. Für den Wald ist die Regulierung der Wilddichte in der Regel langfristig die beste Alternative.


Bilder von unsplash und Wikipedia/Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

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