Forstwirtschaft, Klimawandel

Waldanbau: Aufforsten, aber richtig!

Wald anbauen braucht Zeit, auch Planungszeit. Zunächst muss geklärt werden, welche Bäume überhaupt aufgeforstet werden sollen, und wie. Neben den klimatischen Bedingungen wie beispielsweise Niederschlagsmengen, der Bodenbeschaffenheit bezüglich Nährstoffen und Bodenprofil ist auch die Lage des Aufforstungsgebietes wichtig für die Baumwahl. Die erwartete Klimaänderung muss ebenfalls beim Waldumbau berücksichtigt werden.

Mischwald statt Monokultur

Die vielen ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkte, die für einen Mischwald sprechen, liegen auf der Hand. Im Gegensatz zur Monokultur ist der Artenreichtum wesentlich höher. Schädlinge, wie beispielsweise der Borkenkäfer, können sich nicht explosionsartig vermehren, Auch Stürmen bieten Mischwälder wesentlich besser die Stirn. Insgesamt kommt es im Mischwald also zu weniger Komplettausfällen im Vergleich zu reinen Einzelkulturen. 


Die Mischung der Baumarten macht’s

Welche Bäume jetzt genau für Ihren Mischwald in Frage kommen, muss umfassend geklärt werden. Eine Broschüre des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gibt eine Handlungshilfe ab, die aber nur den groben Rahmen klären kann. Insbesondere die Frage nach Zukunftsbäumen, also Bäumen, die der Klimaveränderung trotzen sollen, muss individuell geklärt werden. Wenden Sie sich dazu an Ihre Waldbesitzervereinigung, Ihren Förster oder das Forstamt.

Naturverjüngung oder Nachpflanzung?

Seit es Förster gibt, wird diese Frage diskutiert: Soll man im Wald „alles sich selbst überlassen“, oder eher aktiv gepflanzt werden? Die beste Antwort ist aktuell wohl eine Mischung aus beiden Extremen. Das Ziel ist, eine auf den jeweiligen Standort abgestimmte, funktionierende „Lebensgemeinschaft Wald“ zu erhalten, die möglichst wenig anfällig auf äußere Störungen wie Kalamitäten durch Borkenkäfer oder Sturmereignisse ist. Wo es geht und auch sinnvoll ist, weil die „richtigen“ Bäume nachkommen, lässt sich der Bestand gut natürlich verjüngen, also durch selbst nachwachsende Bäume. Neue Zukunftsbäume aber, die bisher nicht am jeweiligen Standort vorkommen, müssen zwangsläufig eingepflanzt werden. Auch Kosten spielen eine Rolle: Verjüngt sich der Wald selbst, ist das zunächst günstiger, als größere Pflanzungen vorzunehmen. Allerdings ist mit einem größeren Pflegeaufwand zu rechnen, bis die Z-Bäume endgültig bestimmt sind.

Pflanzgut aus Baumschulen

In Baumschulen ist der natürliche Auswahldruck der Evolution auf die einzelnen Pflanzen geringer. Die kontrollierten, logischerweise günstigen Wuchsbedingungen bewirken, dass auch weniger widerstandsfähige Bäume überleben und in den Wald zur Pflanzung kommen. Daraus lässt sich einerseits ableiten, dass Bäume aus der natürlichen Verjüngung durchschnittlich bezüglich der Anpassungsfähigkeit ein besseres Potential haben als Pflanzgut aus Baumschulen.

Forstwirtschaft zur Hege des Waldes

Aufgabe der Forstleute wird es sein, die künftig an einem bestimmten Standort herrschenden Bedingungen möglichst genau abzuschätzen. Dann wird auch klarer, welche Baumarten und Provenienzen schon in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten eingebracht werden sollten zum Aufbau eines Waldes, der unseren Ansprüchen an den Wald (https://timbertom.de/blog/die-vielen-aufgaben-des-waldes )auch in fernerer Zukunft entsprechen kann. Auch die Frage, wo, in welchen Strukturen und mit welchem Risiko die Fichte künftig nachgezogen werden kann ist darin enthalten. Bei all diesen Überlegungen und der entsprechenden Umsetzung sind die forstlichen Kernkompetenzen angesprochen.


Bilder von TimberTom und unsplash, Screenshot der Broschüre des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

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